Arbeitgeber haben theoretisch zahlreiche Möglichkeiten, ihre neuen Mitarbeitenden bei einem Wohnortwechsel zu unterstützen. Schließlich ist ein Umzug oftmals mit nicht unerheblichen Kosten verbunden. Es kann sich daher lohnen, beim Bewerbungsgespräch gezielt nach Unterstützung zu fragen. Dabei solltest du jedoch mit Fingerspitzengefühl vorgehen und auch die Ressourcen des Unternehmens bedenken: Eine großes Unternehmen mit mehreren Standorten kann da sicherlich wesentlich mehr ermöglichen als ein kleiner Mittelständler. Bei ersteren stehen die Chancen sogar gut, dass es dafür bereits etablierte Maßnahmen gibt und dir diese vielleicht sogar proaktiv angeboten werden. Kleine Unternehmen haben damit vielleicht noch nicht allzu viel Erfahrung und kennen die Möglichkeiten ggf. nicht. Daher kann es sich grundsätzlich lohnen, ganz konkrete Unterstützungsmöglichkeiten vorzuschlagen und zu schauen, inwieweit der Arbeitgeber bereit ist, dies zu ermöglichen.
1. Sonderurlaub für den Umzug
Selbst wenn keine finanziellen Mittel für große Kostenzuschüsse zur Verfügung stehen: Dir einen Tag Sonderurlaub zu gewähren, um den Umzug organisatorisch zu wuppen, sollte defintiv auch für kleine Unternehmen als bare minimum drin sein.
- Gesetzlich besteht zwar kein allgemeiner Anspruch auf Sonderurlaub für einen Umzug, jedoch sehen viele Tarifverträge oder individuelle Arbeitsverträge eine Freistellung von ein bis zwei Tagen vor.
- Besonders in Fällen, in denen der Umzug aus betrieblichen Gründen erfolgt, ist Sonderurlaub häufiger möglich.
- Auch bei einem Umzug über eine größere Distanz können Arbeitgeber Kulanz zeigen und zusätzliche freie Tage gewähren.
Tipp: Prüfe deine Arbeits- oder Tarifverträge und frage deine Personalabteilung nach einer möglichen Freistellung für den Umzug.
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2. Umzugskostenübernahme: Finanzielle Erleichterung
Ein Umzug kann schnell ins Geld gehen – Speditionskosten, Mietkaution, doppelte Mietzahlungen oder die Einrichtung der neuen Wohnung. Viele Arbeitgeber bieten daher eine finanzielle Unterstützung in Form von:
- Umzugskostenzuschüssen, bei denen ein Pauschalbetrag oder die tatsächlich angefallenen Kosten erstattet werden.
- Erstattung einzelner Kosten, etwa für den Transport oder die Renovierung der alten Wohnung.
- Vereinbarungen zur Kostenübernahme, die im Arbeitsvertrag oder als individuelle Regelung festgehalten werden.
Tipp: Frage im Bewerbungsgespräch oder beim HR-Team nach, ob und in welcher Form Umzugskosten übernommen werden.
3. Relocation-Services: Unterstützung von A bis Z
Einige Unternehmen bieten einen Relocation-Service an, der dir viele organisatorische Aufgaben abnimmt. Diese Services können beinhalten:
- Hilfe bei der Wohnungssuche, inklusive Vermittlung von Maklern oder Firmenwohnungen.
- Unterstützung bei Behördengängen, etwa bei der Anmeldung des Wohnsitzes oder Visa-Prozessen für internationale Mitarbeitende.
- Familienintegration, wie die Suche nach Schulen oder Kitaplätzen für Kinder.
Vor allem große Unternehmen mit internationalen Standorten haben oft etablierte Programme für neue Mitarbeitende.
4. Übergangswohnen: Zeit gewinnen bei der Wohnungssuche
In angespannten Wohnungsmärkten kann es dauern, bis man eine passende Bleibe findet. Deshalb bieten einige Arbeitgeber möblierte Übergangswohnungen oder Hotelaufenthalte für die ersten Wochen oder Monate an. Das gibt dir mehr Zeit, um in Ruhe nach einer langfristigen Wohnlösung zu suchen.
Tipp: Falls dein Arbeitgeber das nicht aktiv anbietet, frage nach einer möglichen Übernahme der ersten Mietkosten oder Hotelkosten.
5. Spezielle Unterstützung in Metropolen mit angespanntem Wohnungsmarkt
In Städten wie Hamburg, Berlin oder München hat sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt in den letzten paar Jahren so absurd verschärft, dass sich viele Jobsuchende, bei denen ein Wohnortwechsel nötig wäre, mittlerweile gar nicht mehr erst auf Stellen in diesen Städten bewerben - auch Angst, keine bezahlbare Wohnung zu finden.
Einige engagierte Unternehmen haben die Not erkannt deshalb zusätzliche Maßnahmen eingeführt:
- Unternehmenswohnraum: Einige Arbeitgeber besitzen eigene Wohnungen oder arbeiten mit Wohnungsbaugesellschaften zusammen, um ihren Mitarbeitenden schneller Wohnraum zu vermitteln.
- Makler- und Kautionsübernahme: Manche Firmen übernehmen die Maklerprovision oder stellen ein zinsloses Darlehen für die Mietkaution zur Verfügung.
- Kooperationen mit Wohnungsplattformen: Arbeitgeber arbeiten mit Wohnungsportalen zusammen und bieten exklusiven Zugang zu Wohnungsangeboten für Mitarbeitende.
- Wohnraum-Zuschüsse: In besonders teuren Städten zahlen einige Arbeitgeber eine monatliche Zulage zur Miete, um die höheren Wohnkosten auszugleichen.
Tipp: Besonders in teuren Metropolen lohnt es sich, direkt nach diesen speziellen Angeboten zu fragen. Sinn und Zweck des Jobwechsels ist es schließlich nicht, dass deine Gehaltssteigerung von der Miete sofort wieder aufgefressen wird.

6. Netzwerke & Community: Anschluss in der neuen Stadt finden
Ein Umzug bedeutet nicht nur eine neue Umgebung, sondern oft auch den Aufbau eines neuen sozialen Netzwerks. Viele Unternehmen fördern daher den Austausch zwischen Mitarbeitenden und bieten:
- Onboarding-Events, um neue Kolleg:innen kennenzulernen
- Mitarbeitenden-Netzwerke, z.B. für Expats oder Familien
- Mentor:innen- oder Buddy-Programme, um Unterstützung beim Jobstart und darüber hinaus zu erhalten
Besonders hilfreich sind interne Gruppen oder Netzwerke, in denen sich Neuankömmlinge gegenseitig unterstützen.
7. Flexibilität durch Homeoffice & Remote-Arbeit
Wenn der Umzug mit Zeitdruck verbunden ist, kann es hilfreich sein, zunächst remote zu arbeiten, sofern sich dies mit deinem Aufgabenfeld vereinbaren lässt. Manche Arbeitgeber bieten eine flexible Einarbeitungszeit an, sodass du erst nach ein paar Wochen in die neue Stadt ziehen musst.
Tipp: Falls ein sofortiger Umzug nicht möglich ist, frage nach einer vorübergehenden hybriden oder remote Lösung.
8. Steuerliche Vorteile nutzen
Ein berufsbedingter Umzug kann steuerlich absetzbar sein. Dein Arbeitgeber kann dich hierbei mit einer Steuerberatung oder einem Pauschalbetrag unterstützen. Kosten wie Maklergebühren, Transport oder doppelte Mietzahlungen können oft steuerlich geltend gemacht werden.
Tipp: Informiere dich frühzeitig über die steuerlichen Möglichkeiten und frage deine Personalabteilung, ob sie hier Unterstützung bieten.
Fazit: Nach Unterstützung fragen lohnt sich!
Ein guter Arbeitgeber weiß, dass ein entspannter Umzug dir hilft, dich schneller im neuen Job wohlzufühlen. Frage deshalb im Bewerbungsgespräch gezielt nach Unterstützungsmöglichkeiten und prüfe, welche Leistungen dein zukünftiger Arbeitgeber bietet.